Informationen zum Bereich Tarif

Der VdR vertritt die Interessen des gesamten pädagogischen Personals im Sek-I-Bereich Schule und nimmt daher vor allem auch im Tarifbereich die gesamte Bandbreite der Qualifikationen und Tätigkeitsfelder der Tarifbeschäftigten in den Blick. Diese Interessen gilt es im Dachverband des VdR, dem Deutschen Beamtenbund und tarifunion (dbb), deutlich und effektiv zur Sprache zu bringen.

Bei Tarifgesprächen und -verhandlungen unter der Federführung des Dachverbandes, des dbb, geht es insbesondere darum, die Arbeitsbedingungen der Tarifbeschäftigten im Sek-I-Bereich Schule zu verbessern. Der aktuelle Lehrermangel ist auch darauf zurückzuführen, dass die Arbeitsbedingungen in den Schulen, aber auch im öffentlichen Dienst insgesamt in den letzten Jahrzehnten von den Arbeitgebern erheblich vernachlässigt wurden. Der Arbeitsplatz “Schule” erscheint gegenwärtig nicht besonders attraktiv.

Dies zu ändern zum Wohle der nachwachsenden Generationen ist eines der dringendsten Anliegen des VdR und der in ihm vertretenen Landesverbände.

Konkret verfolgen wir folgende Zielsetzungen:

  • Wir vertreten die tarifpolitischen Interessen der tarifbeschäftigten Lehrkräfte an den Schulen des Sek-I-Bereichs auf Bundesebene im Bundesvorstand.
  • Wir vertreten die tarifpolitischen Interessen der tarifbeschäftigten Lehrkräfte an den Schulen des Sek-I-Bereichs im Dachverband des VdR, dem Deutschen Beamtenbund und tarifunion (dbb).
  • Wir setzen uns für eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte im Sek-I-Bereich Schule ein.
  • Wir fordern bei gleicher Qualifikation eine finanzielle und soziale Gleichstellung der tarifbeschäftigten Lehrkräfte gegenüber den verbeamteten Lehrkräften ein.
  • Wir setzen uns in Tarifverhandlungen daher für eine Weiterentwicklung und Verbesserung des Tarifrechts ein, um diese Ziele zu verwirklichen und den Arbeitsplatz Schule attraktiver zu machen.

Aktuelles

 

 

Tarifverhandlungen 2021

 

Geht schon los!

Trotz der ungewöhnlich langen Laufzeit des aktuellen Tarifvertrags bis zum 30. 9.2021 werfen die kommenden Tarifverhandlungen für die Landesbeschäftigten ihre Schatten schon weit voraus. Denn die Auguren lassen Schlechtes für die Tarifrunde im Herbst 2021 erwarten.

Gegen Ende des letzten Jahres hat die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) im Vorfeld der diesjährigen Tarifverhandlungen bereits die Verhandlungen über die Weiterentwicklung der Eingruppierung der Lehrkräfte (TV EntgO-L) verweigert. Begründet wird dieser Schritt damit, dass die Gewerkschaften bei den Gesprächen zu einem anderen Tarifaspekt (§12 TV-L, Stichwort: Arbeitsvorgang), der keinerlei inhaltliche Verbindung zu den Entgeltverhandlungen aufweist, kein Entgegenkommen gezeigt haben. Damit hat die TdL bereits jetzt eine Blockadehaltung aufgebaut, die die Tarifrunde 2021 erheblich belasten wird.

 

Lehrerentgeltordnung

Dabei sollte die Weiterentwicklung der Entgeltordnung für die Lehrkräfte schon vor der Tarifrunde 2019 inhaltlich vorbereitet und im Tarifabschluss 2019 verabschiedet werden. Da dies nicht gelang, wurde in einer Protokollerklärung zum Tarifabschluss 2019 vereinbart, nach Abschluss der Entgeltrunde 2019 entsprechende Verhandlungen aufzunehmen. Diese werden nach einem kurzen Verhandlungsauftakt nun wiederum durch die Ablehnung weiterer Gesprächstermine von Seiten der TdL torpediert.

Digitalisierung

Der Prozess der Digitalisierung, die im Rahmen der Corona-Pandemie als ein offenkundiges Problemfeld deutscher Infrastruktur allseits beklagt wurde, sollte aus Sicht des VdR ebenfalls zu einem wesentlichen Bestandteil der diesjährigen Tarifverhandlungen werden. Auf der Ebene des Bundes wird das Thema schon umfassend diskutiert, ohne dass es bereits zu einer Einigung gekommen wäre. Ein Digitalisierungs-TV könnte in manchen Fragen dieses Bereiches für mehr Klarheit und auch Rechtssicherheit sorgen.

z.B. Arbeitsmittel

Derzeit finanzieren die Lehrkräfte mit einem nicht unerheblichen Teil eines Monatsgehalts ihre eigene digitale Ausstattung. Eine Kostenerstattung des Arbeitgebers findet zumeist nicht statt, und die steuerliche Absetzbarkeit des Gerätes stellt mitnichten einen gleichwertigen Kostenausgleich dar. In welchem anderen Berufsbereich der Gesellschaft gilt etwas Vergleichbares?

Strukturelle Verbesserungen

Bei den Strukturfragen des Tarifvertrags kommt immer wieder die Problematik der Anerkennung beruflicher Vorerfahrung sowie der schädlichen Unterbrechungszeit bei befristeten Verträgen zur Sprache. In den allgemeinen Entgeltfragen steht neben einer angemessenen Entgelterhöhung strukturell vorrangig die Vollendung des Angleichungsprozesses von E11 nach E12 sowie ein weiterer Ausbau der Entgeltstufe 6 im Vordergrund. Beide Tarifziele dienen dazu, die Entgeltordnung hin zu einer in sich sachlogisch aufgebauten Tabellenordnung zu entwickeln, was ganz wesentlich zur Attraktivität des öffentlichen Dienstes beitragen würde.

Kommentar

Wer den Lehrermangel bekämpfen wollte, der müsste als Arbeitgeber an seiner Attraktivität und an seiner Verlässlichkeit arbeiten. Auch in Corona-Zeiten haben sich die meisten Lehrkräfte über das normale Maß ihrer Arbeitszeit eingesetzt, vom Aufbau einer digitalen Infrastruktur, zumeist mehr schlecht als recht, über die Entwicklung geeigneten didaktischen Materials für digitalen Unterricht bis hin zu umfangreicher zeitintensiver Kontaktpflege bei Schülern und Eltern.

Schon klar, das gesamte medizinische Personal steht bei dieser existenzbedrohenden Pandemie im Vordergrund! Aber auch Lehrkräfte haben währenddessen “in der zweiten Reihe” nicht unwesentlich zum Sozialwesen ihren Beitrag geleistet. Und das zumeist ohne ausreichenden Hygiene- bzw. Impfschutz, d.h. unter Inkaufnahme eines deutlich erhöhten persönlichen Gesundheitsrisikos!

Dann ist es auch nur recht und billig, diesen zweifelsohne ebenfalls systemrelevanten Einsatz unter erhöhten Gefährdungsbedingungen zu würdigen. Dieser sollte sich dann aber auch im Umgang bei tarifrechtlichen Fragen und im Ergebnis von Tarifverhandlungen widerspiegeln!

U. Gräler

 

Stichwort: Arbeitsvorgang (§12 TV-L)

Ein Arbeitsplatz besteht aus unterschiedlichen Aufgaben und Einzeltätigkeiten, die zusammen einen Arbeitsvorgang bilden. Für die tarifgemäße Bewertung aller Aufgaben eines Arbeitsplatzes wurde bereits 1975 festgelegt, dass alle Arbeitsschritte, die einem Aufgabenzweck dienen, durch den so genannten Arbeitsvorgang zusammengefasst sind.

Der Arbeitgeber bestimmt durch seine Arbeitsorganisation, wer welche Aufgaben und mit welcher Verantwortung bearbeitet. Anhand der Tätigkeitsmerkmale wird dieser Arbeitsvorgang dann gemäß dem so genannten Regelzeitmaß anhand der Entgeltordnung bewertet. Wird durch einen oder mehrere gleich bewertete Arbeitsvorgänge die Hälfte aller Aufgaben ausgefüllt, ist damit automatisch die Eingruppierung durch eine Entgeltgruppe bestimmt. 

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seinen Urteilen aus den Jahren 2018 und 2020 zu dieser Thematik die Position des dbb wiederholt und vollumfänglich bestätigt. Streit dürfte es daher eigentlich nicht geben!