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Der Verband Deutscher Realschullehrer wurde im Oktober 1949 in Kassel gegründet als „Gesamtverband Deutscher Mittel und Realschullehrer- und –lehrerinnen“ (GVDMR). Zunächst gehörten ihm – entsprechend der Entwicklung der Mittelschule - nur die Landesverbände von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen an. Bereits 1956 waren alle (westlichen) Bundesländer vertreten.
„Die Forderung nach Chancengleichheit für alle in der Bildung und nach individueller Förderung des einzelnen Schülers haben seit 1945 den ungeheuren Aufschwung der Realschulen bewirkt. Dies traf sich mit dem Bedürfnis nach höher qualifiziertem Nachwuchs infolge der raschen technischen Entwicklung. Bestimmte Besonderheiten der Realschule kamen noch hinzu, welche sie zum Renner machten."(1)
Da ist zum einen der – im Gegensatz zum damaligen Gymnasium – zeitlich überschaubare Bildungsgang, im allgemeinen sechs Schuljahre (Jahrgänge 5 bis 10), in einigen Ländern vier Schuljahre (Jahrgänge 7 bis 10).
Das Stoffangebot umfasst eine umfangreiche Allgemeinbildung mit einer gewissen Berufsorientierung, die einen erfolgreichen Übergang in die berufliche Bildung ebenso ermöglicht wie den Besuch weiterführender Schulen bis hin zum Hochschulabschluss. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen der Schüler geschieht durch eine größtmögliche Differenzierung in Pflichtfächer, Wahlpflichtfächer und Wahlfächer. Wesentliches Kennzeichen aller Angebote ist die enge Verbindung von Theorie und Praxis. Markenzeichen der Realschule ist ein ausgeprägter Pragmatismus in Verbindung mit der Orientierung an modernen Unterrichtsinhalten. Die Realschule hat frühzeitig wirtschaftliche Inhalte in ihr Unterrichtsangebot aufgenommen und die Entwicklung der Informatik konsequent unterrichtstechnisch begleitet.
Diese Ausrichtung der Realschule kam und kommt noch immer weiten Teilen der Bevölkerung entgegen. Die Leistung dieser Schulart in den ersten Jahrzehnten nach 1945 besteht vor allem in der Erschließung von Begabungsreserven, u. a. auch der Förderung der Mädchen und der Migrantenkinder.
Mit dem Erfolg der Realschule wuchs auch der Verband. Mitte der 1960er Jahre erfolgte die Namensänderung in „Verband Deutscher Realschullehrer“.Der erste „Bundesmittel- und –realschultag“ fand unter dem Motto „Die Realschule – Die mittlere Schule heute“ im Oktober 1950 in Köln statt. In zunächst zwei- und heute vierjährigem Abstand fanden diese Realschultage mit öffentlicher Veranstaltung und interner Bundesdelegiertenversammlung an wechselnden Orten im Bundesgebiet statt; im Jahr 1998 zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern (Potsdam). (Link zur Übersicht aller Bundesrealschultage)
Die heute vom VDR herausgegebene Zeitschrift existiert seit 1887 und hat verschiedene Male Namen und Verlag gewechselt, ist aber bis auf eine durch die Nationalsozialisten verursachte Pause (1943 bis 1950) durchgehend erschienen. Zum Zeitpunkt der Gründung hieß sie „Die Mittelschule. Zeitschrift für die gesamten Interessen des Deutschen Mittelschulwesens. Zentralorgan der seminaristisch vorgebildeten Mittelschullehrer und Rektoren Deutschlands“. Mit der Gründung des VDR wurde sie unter dem Titel „Die mittlere Schule“ 1950 wieder neu ins Leben gerufen, später in „Die Realschule“ unbenannt und erscheint seit 1995 unter dem Namen „Realschule in Deutschland“.
Die bildungspolitischen Forderungen des VDR orientierten sich stets an einer qualitätvollen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler an einer mittleren Schule im gegliederten Schulwesen.
Der VDR vertritt heute als Dachverband von 13 Landesverbänden Lehrkräfte an Realschulen und an Schulen im Sekundarbereich I (Regelschulen in Thüringen, Oberschulen in Brandenburg, Erweiterte Realschule im Saarland, Realschule plus in Rheinland-Pfalz u. a. m.). Abhängig von der – in den Bundesländern unterschiedlich geregelten Lehrerausbildung – sind das Realschullehrer, Stufenlehrer, Fachlehrer u. a. Die standespolitische Vertretung erfolgte bis zur Föderalismusreform im Jahr 2007 im Wesentlichen über den Deutschen Beamtenbund (dbb); seither sind die beamten- und angestelltenrechtlichen Kompetenzen vorwiegend an die Landesregierungen übergegangen. Nun verhandelt der „dbb beamtenbund und tarifunion“ meist Rahmenregelungen. Die Landesbünde des dbb, in welchen die VDR-Landesverbände organisiert sind, verhandeln auf Landesebene mit den Landesregierungen.
In der laufenden Wahlperiode 2010/2014 führt Jürgen Böhm als Bundesvorsitzender den VDR. (Link zur Übersicht der Bundesvorsitzenden)
(1) Walter Trapp: Die Realschule und ihre Leistung seit 1945 (in: Die Realschule. Heft 7/91) |